November 2007 bis März 2008
Über 20.000 Menschen aus ganz Deutschland sind dem Aufruf einer Künstlerinitiative KUNSTSTIMMEN GEGEN ARMUT gefolgt und haben sich an der Aktion “Kunststimmen gegen Armut” beteiligt: Sie haben ein eigenes Werk, verbunden mit einem Appell gegen Armut in Deutschland, an Bundeskanzlerin Angela Merkel geschickt. Den Sendungen, darunter professionelle Kunstwerke ebenso wie die Bilder von Freizeitmalern und Kinderzeichnungen, wurde jeweils ein Begleitbrief beigefügt Ein Sprecher des Bundeskanzleramtes betätigte die vom Bundespresseamt genannte Zahl von über 20.000 Sendungen. Sie würden zunächst einmal “sicher eingelagert”. Was später mit den professionellen Kunstwerken und Kinderzeichnungen geschehen soll und ob sie der Öffentlichkeit präsentiert werden, sei noch offen. Sicher sei, dass man „nicht jede einzelne Sendung gesondert bewerten könne“.
“In der Klemme”
Marcus Vallboehmer
Innenpolitisches Desaster könnte man den Zustand der Republik nennen, wichtige Außenpolitik nennt die Kanzlerin ihre Reisen in den letzten Wochen. Dabei könnte es sich für die Kanzlerin durchaus lohnen, daheim zu bleiben.Treffen doch am 15. November 2007 viele an sie adressierte Päckchen im Kanzleramt ein — Päckchen voller Kunst als frühes Weihnachtsgeschenk aus Volkes Hand. Die von vier deutschen Künstlern gegründete Initiative KUNSTSTIMMEN GEGEN ARMUT hatte dazu aufgerufen, ein persönliches Kunstwerk zu den Themen “Hartz IV, fortschreitende Armut” und der Frage “Sind wir wirklich Deutschland?” zu schaffen und nach Berlin zu senden. Damit wollen sie ein Zeichen gegen die Auswirkungen einer schwindenden Sozialpolitik setzen. Nicht nur Künstler, sondern auch rund 20.000 Menschen aus unterschiedlichen Berufen, folgten dem Aufruf.
Am 1. November erhielten Angela Merkel, alle Bundes- und Landtagsabgeordneten sowie die größten börsennotierten Unternehmen einen OFFENEN BRIEF “Vom Geben und Nehmen, oder warum wir unsere Gesellschaft neu definieren müssen.” Darin ziehen die vier Initiatoren von KUNSTSTIMMEN GEGEN ARMUT eine Bilanz deutscher Innenpolitik aus Sicht des Bürgers: Politikverdrossenheit, Reformmüdigkeit, Resignation und fortschreitende Armut. Sie fordern darin einen Wertewandel und eine neue, sozialere Gesellschaft. Einige Abgeordnete von Bund und Ländern haben sich zwischenzeitlich zu dem Schreiben geäußert. Von der Kanzlerin gab es bisher noch keine Reaktion. “Sitzt sie es wieder aus, oder flüchtet sie sich auf den nächsten roten Teppich?” fragt sich die Initiatorin Anne Radstaak. Spannend bleibt auch die Frage, wie die Kanzlerin und ihr Regierungskabinett auf die Kunstwerke und die damit verbundenen Forderungen reagieren werden. Vielleicht kommt es wieder zu einer Annäherung zwischen der Regierung und dem Volk, in dessen Auftrag sie arbeiten.