Die Idee der „Blauen Skulpturen“ entstand im Herbst 2004. Ich träumte von blauen Objekten, an deren Realisierung ich kurze Zeit später mit Künstlern aus der einige Monate zuvor von mir gegründeten freien Künstlergruppe KK arbeitete. „Mit den blauen Skulpturen wollen wir ein signifikantes Herausstellungsmerkmal unserer Heimat auf künstlerischem Weg transportieren. Wir wollen mit unseren Arbeiten Zeichen für die Blaufärberei setzen.“ In der Region Nastätten im Rhein-Lahn-Kreis wurde im Mittelalter das Handwerk der Blaufärberei ausgeübt. Mitglieder der Künstlergruppe KK realisierten acht Skulpturen und einen Roman, die der Öffentlichkeit am 13.08.2005 vorgestellt wurden. Die blauen Skulpturen werden im öffentlichen Stadt- und Landschaftsraum für einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren ausgestellt.

Blaublütiger Besuch beim Blauschimmel von Anne Radstaak
Blaue Kunst ziert Ländchen / Werke von Gruppe um Anne Radstaak sind in der Region zu sehen
Anne Radstaak aus Buch träumte von großen blauen Objekten und erzählte davon in der jungen Künstlergruppe KK. Die machte sich ans Werk und schuf blaue Skulpturen mannigfaltiger Art, die der Identifikation mit dem Blauen Ländchen dienen sollen. Die Einweihung des neuen „Zentralplatzes“ war ein geeignetes Podium, die ersten Schöpfungen einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen.
Gleich mehrfach äußerte sich Stadtbürgermeister Emil Werner lobend zum Schaffen der Künstlergruppe KK. Leider sei die Stadt finanziell nicht in der Lage, die Künstler zu bezahlen. Selbst für die erheblichen Materialkosten habe man auf großzügige Sponsoren aus dem Raum zurückgreifen müssen. Ursula Näther von der freien Gruppe KK (= „Kunst und Kultur im Blauen Ländchen“) schilderte die bisherigen Aktivitäten und erläutere den enthüllten „Traumstein“ auf dem Zentralplatz, ein monumentales Gemeinschaftswerk von Josch Braun, Eleonore Basting, Ursula Näther und Anne Radstaak aus Basalt, Metall, Keramik und Bausteinen.
Die anderen im Blauen Ländchen verstreuten blauen Skulpturen besuchte man per Shuttleservice „Blaues Taxi“. Auf dem Museumsvorplatz gab es gleich eine Enthüllung. Die Bronze „Eine Liebe im Blauen Land“ von Paul Müller-Brand will als Hommage an die Liebe und ans Blaue Ländchen verstanden werden. Im Regionalmuseum „Leben und Arbeiten“ steht schon seit einigen Wochen eine blauglasierte Bronze „Blaue Madonna“ von Gudrun-Elisabeth von Skopnick aus Bad Ems.
„Blaue Frauen“ am Sponheimer Hof von Ursula Näther entstanden aus Schaufensterpuppen, Gips und Acrylfarben. Sie sagen aus, dass man viele Rollen im Leben spielt. In Singhofen gestaltete Kerstin Mayer-Schwippert einen abgestorbenen Baum mit blauer Erdfarbe zum „blauen Baum“ um. Ein lebensgroßer „Blauschimmel“ von Anne Radstaak überrascht am Bucher Sauerbrunnen als „Blaues Wunder“. Bliebe noch „Die Blaufärberin“ am Ruppertshofener Dorfplatz zu erwähnen. Die Tanztherapeutin Petra-Wolgard Hagemann schuf sie aus Metall. Weitere Firguren sollen folgen.
Die Gruppe KK hat weiterhin viel vor und möchte im Blauen Ländchen weitere markante Zeichen setzen, obwohl alle Künstler bereits viele Stunden für diese ehrenamtliche Aufgabe opferten. Da war es vielleicht ein kleiner Trost, dass Stadtbürgermeister Emil Werner alle auf die Bühne bat und ihnen unter herzlichem Beifall des Publikums Blumen überreichte. (Winfried Ott, Rhein-Lahn-Zeitung 15.08.2005)
Zentralplatz ist eingeweiht. Veranstaltung markierte gleichzeitig Auftakt des „blauen Projekts“ der heimischen Künstlergruppe. Die offizielle Einweihung seines „Zentralplatzes“ feierte Nastätten mit einem „Blauen Samstag“, der zu einer Hommage an das Blaue Ländchen wurde. Dazu trugen die „Blauen Skulpturen“ der Künstlergruppe KK entschieden bei.
NASTÄTTEN. Auf dem neuen „Zentralplatz“ konnte Stadtbürgermeister Emil Werner zur feierlichen Einweihung die Landtagsabgeordneten Matthias Lammert und Frank Puchtler, den Kreisbeigeordneten Helmut Klöckner, Pfarrer Dr. Breidert, eine Abgeordnete der Karnevalsbruderschaft Nastede, zahlreiche Kommunalpolitiker und Künstler sowie ein erwartungsfrohes Publikum begrüßen.
Rosa Rex vom Heimatpflegeverein servierte einen blauen Apfelsaft und blauen Schnaps, mehrere Verkaufsstände sorgten für das leibliche Wohl der zahlreichen Besucher, und Ralf Kettler aus Attenhausen erfreute die Kinder mit einer „Kinderbaustelle Papino“, wo es große Zahnräder ganz in Blau zu gestalten galt. Rolf Ebert vom hiesigen Café Amadeus schnitt eine köstliche blaue Torte an. Dazu stellte Marco Lutz seinen ganz neuen Roman „Blaue Hände – so waid man sieht“ vor, der spannend von Färbern im Blauen Ländchen berichtet und fabuliert.
Auf der Bühne präsentierte Tina Maus erstmals seit Jahren wieder eine muntere Kerbejugend. Die quicklebendige Percussion-Band „Samba Libre“ erfreute unter der Leitung von Bettina Schweer mit flotten Rhythmen in eigenwilliger Inszenierung. Stadtbürgermeister Emil Werner erinnerte an den Zweck des Beisammenseins: Seit rund zwei Jahrzehnten schon habe man eine Gestaltung des Geländes an der Gartenstraße geplant. Dank eines bewährten Planungsbüros und solider Baufirmen verfüge die Stadt nun über 122 Parkplätze unmittelbar an der Hauptgeschäftsstraße mit der Möglichkeit, hier auch Großveranstaltungen zu organisieren. Land, Verbandsgemeinde und Stadt verbauten 750 000 Euro. Die starke Belegung an Werktagen zeige, dass man richtig gehandelt habe.
Bürgermeister Raimund Friesenhahn gratulierte seitens der Verbandsgemeinde, die Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung übernahm. Er zeigte sich stolz über die Fortschritte, die Nastätten als Sitzgemeinde seiner Verwaltung verzeichnen kann. Innenminister Karl Peter Bruch: Wer Heimat schaffen wolle, dürfe nicht nur über Kosten reden. Es gelte, einen Raum mit Leben zu erfüllen. Nastätten sei mehr als eine Stadt zum Einkaufen. Jeder müsse mithelfen, Heimat gemeinsam zu gestalten. „Meine Frau und ich wohnen gern hier“, so gestand der Staatsminister, ehe er mit Künstlern und Kommunalpolitikern zur Enthüllung des „Traumsteins“ mitten auf dem Zentralplatz schritt.
Prof. Harald Braem vom Kult-ur-Institut Bettendorf sinnierte über die schon von Goethe so gepriesene Farbe Blau nach, die farbspychologisch Reife verkörpere. Der Dichterfürst liebte Blau, „weil es uns mit sich zieht“. Und ganz Ähnliches sage ein japanisches Gedicht aus. Die Archetypen Himmel und Meer sind blau und verkörpern Sehnsucht nach oben wie in die Weite. Der „Traumstein“ sei eigentlich ein „Fühlmal“, in dem mehrere Künstlerträume eng verwoben auf den Betrachter wirken. Braem erhielt viel Beifall für die gelungene Interpretation des Kunstwerks, aber auch für ein Gedicht über das Blaue Land.
Dem Live Concert von Samba Libre folgte eine gelungene Darstellung des Surreal Tanztheaters Buch „Wo ist das Blau?“. Dann war die Bühne frei für Django Reinhardt und seine Band. Das Live Concert „Gypsy goes Jazz“ begeistere alle Altersgruppen. Den Abschluss bildete eine Open-Air Vorstellung von „Deep Blue“ durch das Kinocenter Nastätten. (Winfried Ott, Rhein-Lahn-Zeitung, 15.08.2005)